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Märchen und Modernes beim Masterkonzert

Die Stadtkapelle Illertissen erfreut in der Vöhlinhalle mit einem nicht alltäglichen Konzert. Dirigent Stefan Tarkövi macht seinen Masterabschluss im Fach Dirigieren.

Von Regina Langhans (Illertisser Zeitung)

Artikel zum Herbstkonzert 2022

Im Zuge eines Herbstkonzertes in der gut besuchten Vöhlinhalle stand die Stadtkapelle Illertissen ihrem langjährigen Dirigenten Stefan Tarkövi als Prüfungsorchester zur Verfügung. Damit hat der Masterabsolvent den praktischen Teil im Fach Dirigieren abgelegt. Somit zeigte sich das sinfonische Blasorchester merklich um noch mehr Präzision bemüht. Die rund 65 Mitspieler bewiesen höchste Konzentration.

Moderator Wilhelm Schmid führte informativ durch den Abend. Er zitierte Tarkövi, den es gereizt habe, den zweiten Satz des Orchesterwerks „Trois Nocturnes“ von Claude Debussy (1862 bis 1918) „mit seinen malerischen Klangfarben speziell für sinfonische Blasorchester zu arrangieren“. Dies scheint ihm überaus gelungen: Tarkövi hat es verstanden, das der Komposition innewohnende Klangpotenzial für Streicher ausgewogen auf die Blasregister zu verteilen.

Verstärkt durch effektvolle Percussion-Einsätze wurde daraus ein tolles Hörererlebnis voll spritziger musikalischer Überraschungen. So fehlten auch nicht Anklänge ans Original in Form von Vokaleinsätzen oder einem markanten Harfenglissando, in dem Fall ein rasantes Gleiten über die Tasten des E-Pianos. Besonders außerdem: der musikalische Erfolg stellte sich auch ohne Taktstock, dem verlängerten Arm des Dirigenten, ein. Orchester und Leitung schienen geradezu blindlings miteinander zu kommunizieren, akustisch wie optisch ein Genuss, indem etwa die Schlagwerker an ihren Percussion-Instrumenten, darunter vier Stabspiele, dynamisch hin- und herwechselten. Debussys Komposition gilt als wichtiges Werk des musikalischen Impressionismus und bildet so den Übergang zwischen der Musik der Romantik und der Moderne. Einen romantischen Anstrich gab die Stadtkapelle ihrem Konzert mit der opulent intonierten Ouvertüre „Hanover Festival“ (Philip Sparke, geboren 1951). Darauf folgte mit „Of Castles And Legends“ (Thomas Doss, geboren 1966) eine programmatische Komposition rund um die Sage von der weißen Frau auf der Kugelsburg im nordhessischen Volkmarsen. Der Stadtkapelle gelang eine kraftvolle Interpretation in der Art von musikalischer Fantasy-Literatur.

Mit einer furiosen Tonfolge zum Einstieg in das schmissig gespielte Capriccio (Hidas Frigyes, 1928 bis 2007), das erst nach dem Schlussakkord mit einem Brummton der Kontrabassklarinette richtig endete, erwies Stefan Tarkövi seiner ungarischen Heimat die Ehre. Zugleich vollzog er einen Schwenk ins Fach der Folklore und Tänze. Mit den „Cajun Folk Songs“ (Frank Ticheli, geboren 1958) bekam das Publikum alte Volksmusik französischer Auswanderer zu hören, die erst in Kanada und schließlich im Louisiana der Vereinigten Staaten landeten. Dabei ging es nach berührenden Saxofonklängen zum Einstieg bald melodisch und schwungvoll in Zweier- und Dreiertakt-Passagen voran.

Mit „Early Hungarian Dances From Gömör“ (Árpád Balázs, geboren 1937) wurde es nochmals folkloristisch, wobei in Ungarn diese Traditionen in die klassische Musik einfließen. Für die Stadtkapelle eine weitere Gelegenheit, im harmonischen Wechseln von Rhythmen und Klangfarben zu glänzen und den Anschein zu erwecken, als käme ihre ganze Klangfülle aus einer einzigen Quelle. Teils ließen sich die Instrumente schon nicht mehr heraushören, indem ihre Melodiepassagen einfach ins nächste Register hinüberglitten. Ähnlich bei „Incantation And Dance“ (John Barnes Chance, 1932 bis 1972), einem Standardwerk für sinfonische Blasmusik: Nach beginnendem Flötensolo setzte eine Instrumentalgruppe nach der anderen ein. Bei der gerne gewährten Zugabe mit „Cuban Sound“ (Giancarlo Gazzani, geboren 1941) drehten alle für echte unverfälschte Latin-Klänge nochmals richtig auf: Bläser, Schlagwerker und Ivo Deinigner am Kontrabass als einziger Streicher sowie Dirigent Stefan Tarkövi ohne Stab, der sein Orchester wortwörtlich im Griff hatte.

Zuletzt meldete sich der studierte Trompeter und nunmehr Master mit Abschluss Dirigieren selbst zu Wort: Der Konzertabend sei dank intensiver Probenarbeit und Unterstützung von Gastmusikern wie etwa des Klarinettisten Harald Gerlach möglich geworden, und zum Studium gereizt habe ihn die Corona-Zeit, „weil ich nicht stehen bleiben wollte“. Jetzt, zwei Jahre später, habe er unter Anwesenheit seiner Dozentin Eva Fodor von der Hochschule Stuttgart mit der praktischen Prüfung abschließen können. Somit galt der begeisterte Schlussapplaus beiden, der Stadtkapelle und ihrem Dirigenten.

Herbstkonzert 2022
Altstadtfest 2022
Strahlender Auftritt zum Osterfest

Von Regina Langhans (Illertisser Zeitung)

Die Stadtkapelle Illertissen verwandelt die Vöhlinhalle in einen Klangtempel. 60 Mitwirkende, darunter allein sechs Schlagwerker, begeistern das Publikum.

Wenn es gilt, die Vöhlinhalle in Illertissens größten Konzertsaal zu verwandeln, dann ist die Stadtkapelle am Zug, bildlich und im übertragenen Sinne. Etwa mit den Posaunen des preisgekrönten Trios Benjamin Desef, Dario Glanz und Johannes Schlosser. Oder am Schlagwerk mit heimischen Größen wie Manuel Gira, Jakob Gschwind, Florentine Hahn, Julia Heise, Simon Staiger und Oliver Stahl, die zusammen an doppelt so vielen Perkussionsinstrumenten fürs exakte Einhalten von Tempo und Takt sorgten, wie es Dirigent Stefan Tarkövi den 60 Auftretenden der Stadtkapelle Illertissen vorgab. Beim traditionellen Osterkonzert führte Wilhelm Schmid kenntnisreich durchs Programm.

Rund 450 Besucherinnen und Besucher waren gekommen, die sich am Ende für einen wunderbaren Konzertabend mit riesigem Applaus bedankten und noch zwei rasante Zugaben herausholten, etwa den majestätisch gespielten Konzertmarsch „Neue Welt“ von Alexander Puger (geboren 1970).

Opulent war bereits der Auftakt des Abends, indem die Kapelle mit „A Festival Prelude“ von Alfred Reed (1921 bis 2005) das Werk eines bedeutenden Komponisten für Blasmusikorchester aus den USA präsentierte. Zu hören gab es festliche, opernhaft ausladende Klänge mit deutlichem Übergang in einen ruhigen Teil und Trommelwirbel am Schluss. Darauf wurde es richtig dramatisch, indem die Kapelle mit „Flight“, eine Komposition des Schweizers Mario Bürki (geboren 1977), musikalisch in Szene setzte. Damit war die Stunde der Schlagwerker gekommen: Auf Marimba, Glockenspiel, Röhrenglocken, Pauken oder Gong – um nur einige zu nennen – begleiteten sie so effektvoll wie spannend die musikalische Flugreise, welche nach Motorschaden und Weitersegeln im Wind in einer erfolgreichen Landung glücklich endete.

Geboten war musikalisches Drama pur bis zur letzten Note, teils pusteten und schnippten sogar die Bläser für die Geräuschkulisse mit. Beim nächsten Stück, dem „Aquarium“ von Johan de Meij (geboren 1953), war abwechslungsreiche Tonmalerei zu hören. Um die farbenfrohe Unterwasserwelt darzustellen, wurden typische Klangmotive oder einzelne Blasregister den jeweiligen Fischen zugeteilt. So wurden etwa im ersten Satz, einem Allegretto grazioso, Neonsch, Zitteraal und Segelosser charakterisiert.

Mit „Gulliver’s Travels“ von Bert Appermont (geboren 1973) nach dem satirischen Roman von Jonathan Swift kam Märchenstimmung auf. Angekündigt wurde sie von Angelika Tarkövi mit heller Piccoloöte, gefolgt von tiefen Bläsern. Dann übernahm melodienreich das Klarinettenregister den Weg nach Liliput, ins Land der Zwerge. Brobdingnag, das Land der Riesen, wurde dominiert vom Fagott mit Rudolf Bettenmann und die schwimmende Insel Laputa war geprägt von schwebenden Klängen. Ins Land der Pferde, The Houyhnhnms, führten vorwärtstreibende, stakkatoartige Rhythmen auf der Trompete.

Einmal im fantastischen Genre angekommen, ging es mit berühmten Filmmelodien weiter. In der „Indiana Jones Selection“ mit spannender Musik von John Williams (geboren 1932) im Arrangement von Hans van der Heide war wiederum das Blasorchester in seiner ganzen instrumentalen Wucht gefordert. Dabei brillierte Angela Püger am Englischhorn mit Solopartien. Es folgte die atemberaubende Welt der Italo-Western von Ennio Morricone in einer Zusammenfassung von Johan de Meij. Die Klarinetten am ersten Pult arbeiteten die jeweiligen Titelmelodien sehr differenziert heraus, gerade beim Titel „Once Upon A Time In The West“.

Dem Orchester war die Spielfreude nach den ausgefallenen Osterkonzerten 2020 und 2021 anzuhören, aber ihr Dirigent hatte auch ein herausforderndes Programm mit vielen Solonummern und glänzenden Titeln zusammengestellt. Corona-bedingt lagen über zwei schwierige Probenjahre hinter ihnen, gekennzeichnet von Zwangspausen, Neustarts, Teilproben. Tarkövi zeigte sich froh, dass dem Konzert nur wenige Personen krankheitshalber wegbleiben mussten. Somit konnte die Blaskapelle mit einer weiteren Eigenschaft punkten: als zahlenmäßig großes Ensemble sehr klangkonform und homogen im Ausdruck auftreten zu können. Rein äußerlich hatte der Dirigent wenig zu dirigieren, er und seine Kapelle waren bestens eingespielt.

Termine 2022
26.11.2022
Jugendkonzert
03.12.2022
Weihnachtsmarkt
04.12.2022
Jahresabschlussfeier der Jugend