{"id":55,"date":"2024-04-03T14:52:19","date_gmt":"2024-04-03T12:52:19","guid":{"rendered":"http:\/\/stadtkapelle-illertissen.de\/?page_id=55"},"modified":"2024-04-03T14:52:19","modified_gmt":"2024-04-03T12:52:19","slug":"vereinschronik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/stadtkapelle-illertissen.de\/?page_id=55","title":{"rendered":"Vereinschronik"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>125 Jahre Stadtkapelle Illertissen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>von Wilhelm Schmid<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>125 Jahre Blasmusik in Illertissen stellen nicht nur eine Chronik der praktischen Aus\u00fcbung von Musik mit Blasinstrumenten und allem, was dazugeh\u00f6rt, dar \u2013 ein Blick auf dieses &#8222;Achtel-Jahrtausend&#8220; bietet gleichzeitig R\u00fcckschau auf die gesellschaftliche Entwicklung unserer Heimat und dar\u00fcber hinaus. Gerade am Ende des zweiten Jahrtausends christlicher Zeitrechnung laden die Schilderungen der geschichtlichen Daten und Zusammenh\u00e4nge aber auch dazu ein, sich \u00fcber die zuk\u00fcnftige Entwicklung unserer Gesellschaft im Allgemeinen und der Blasmusik im Besonderen Gedanken zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Beginn der R\u00fcckschau soll deshalb die im Jahre 1975 von Oberlehrer Gottfried K\u00f6lbl verfa\u00dfte Chronik stehen, die damals unter dem Titel &#8222;100 Jahre Blasmusik in Illertissen&#8220; Aufnahme in die Festschrift zum hundertsten &#8222;Geburtstag&#8220; der Stadtkapelle Illertissen fand. Sie wurde \u2013 abgesehen von kleinen K\u00fcrzungen \u2013 im originalen Wortlaut \u00fcbernommen, um einen Einblick in den damaligen Zeitgeist zu geben und damit gleichzeitig bewu\u00dft zu machen, welche \u00c4nderungen sich in den letzten 25 Jahren auch im Hinblick auf Ausdrucksweise und Wortwahl, aber auch in Bezug auf Weltanschauung und Geschichtsverst\u00e4ndnis ergeben haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Gottfried K\u00f6lbl war nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges als Heimatvertriebener nach Illertissen gekommen und hatte sich hier bald in mehrfacher Hinsicht \u2013 als Stadtrat, als Mitarbeiter der Illertisser Zeitung und als Chronist und Vorstandsmitglied mehrerer kulturtragender Vereine \u2013 hohes Ansehen erworben. Blicken wir also mit ihm zur\u00fcck auf &#8222;100 Jahre Blasmusik in Illertissen&#8220;:<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Blatt vergilbten, an den R\u00e4ndern zerschlissenen, rauhk\u00f6rnigen, handgemachten Papiers liegt vor dem Chronisten. Es tr\u00e4gt, in der Mitte gefaltet und nur auf der rechten H\u00e4lfte beschriftet, die in sorgf\u00e4ltig gemalten deutschen Kurrentbuchstaben geschriebenen 14 Paragraphen, nach denen ein paar musikliebende und heimatbewu\u00dfte B\u00fcrger des Marktes Illertissen sich einst zusammenschlossen und gemeinsam, zu ihrer eigenen Erbauung und zur Freude ihrer Mitb\u00fcrger, vor allem aber zur Ehre ihrer Heimatgemeinde, die sch\u00f6nste aller K\u00fcnste &#8211; die Musik &#8211; pflegen wollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur die \u00dcberschrift auf diesem Dokument ist in der heute auch f\u00fcr unsere Jugend lesbaren Lateinschrift verewigt und lautet: Statuten des Musikvereins Illertihsen. Das Schriftst\u00fcck tr\u00e4gt das Datum des &#8222;3.ten Maerz eintausendachthundertf\u00fcnfundsiebzig&#8220;, darunter in einem f\u00fcr jenen Zeitgeist charakteristischen Schn\u00f6rkel die Unterschrift &#8222;Hoerma\u00f1, Kahsier&#8220; und ist die Geburtsurkunde der in diesen Tagen jubilierenden Stadtkapelle Illertissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Statuten des &#8222;Musikvereins in Illertissen&#8220;:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a7 1: Zweck des Vereins ist die Pflege der Musik. Zur Erreichung desselben verpflichten sich die Mitglieder flei\u00dfig und rechtzeitig bei den \u00dcbungen mitzuwirken und sich den getroffenen Anordnungen zu f\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a7 2: Jeder in Illertissen wohnende Mann oder J\u00fcngling kann Mitglied des Vereins werden, wenn er die entsprechenden F\u00e4higkeiten besitzt. Die Aufnahme geschieht durch Abstimmen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a7 3: Die Musikproben finden auf Veranlassung des Vorstandes und des Musik-Directors statt und haben dieselben das Lokal zu bestimmen. Jedes Mitglied hat, wenn es an den \u00dcbungen zu erscheinen verhindert ist, solches dem Vorstande anzuzeigen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a7 4: W\u00e4hrend der Winterszeit soll alle sechs Wochen eine Produktion stattfinden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a7 5: Die Instrumente und Musikalien \u00fcberhaupt Alles was durch Kauf oder auf irgendeine andere Weise Eigenthum des Vereins geworden, ist zu inventarisieren, und bleibt bis zur Aufl\u00f6sung desselben, dessen Eigenthum.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a7 6: Der Verein wird als aufgel\u00f6st betrachtet, wenn derselbe weniger als 4 Mitglieder z\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a7 7: Bei Aufl\u00f6sung des Vereins f\u00e4llt das Eigenthum desselben dem hiesigen Kirchenmusikchor zur Benutzung solange zu, als bis sich wieder ein neuer Verein und wenn dieses auch erst nach Jahren geschehen sollte, konstituiert hat.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a7 8 : Die Beitr\u00e4ge sind freiwillige.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a7 9: Allenfallsige Einnahmen bei Produktionen werden, insoferne Passiva nicht vorhanden sind, zu 2\/3 Theilen unter die Mitglieder vertheilt; der Rest kommt der Vereinskassa zu Gut.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a7 10: Die Organe des Vereins sind:<\/p>\n\n\n\n<p>a) ein Vorstand<\/p>\n\n\n\n<p>b) ein Musikdirector und<\/p>\n\n\n\n<p>c) ein Kassierer, welcher auch die schriftlichen Arbeiten zu besorgen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a7 11: Zur Besprechung wichtiger Handlungen sind s\u00e4mtliche Mitglieder beizuziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a7 12: J\u00e4hrlich soll am 1.ten Maerz Rechnungsablage und mit dieser die Wahl des<\/p>\n\n\n\n<p>Ausschusses stattfinden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a7 13: Die Wahl der Musikpi\u00e8cen bei Produktionen steht dem Vorstand gemeinschaftlich mit dem Director zu.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a7 14: Jedes Mitglied hat f\u00fcr sein Instrument selbst Sorge zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Illertissen am 3.ten Maerz 1875<\/p>\n\n\n\n<p>Hoerma\u00f1, Kahsier<\/p>\n\n\n\n<p>Angaben \u00fcber die Zahl der Gr\u00fcndungsmitglieder des Musikvereins sind nicht mehr vorhanden; auch scheint es den Illertisser Musikern weniger auf organisatorische Aktivit\u00e4t oder gar \u00fcbertriebene Vereinsmeierei angekommen zu sein als vielmehr auf den eigentlichen Zweck ihrer Gr\u00fcndung &#8211; der Pflege der Volksmusik. Jedenfalls sind aus dieser ersten Zeit nach dem Gr\u00fcndungsjahr weder Mitgliederverzeichnisse noch Niederschriften \u00fcber Mitgliederversammlungen oder Ausschu\u00dfsitzungen, wie sie in \u00a7 12 der Statuten festgelegt waren, mehr auffindbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass zu den vielseitigen Aufgaben des Vereins im Bereich weltlicher Feste und Feiern als auch kirchlicher Veranstaltungen auch das Aufspielen bei Hochzeiten geh\u00f6rte, beweist das \u00e4lteste im Archiv der Stadtkapelle befindliche Bilddokument. Es ist dies ein Gruppenbild, das die aus neun Musikern bestehende Blaskapelle auf einem Leiterwagen anl\u00e4\u00dflich der Hochzeit Stetter darstellt und die Jahreszahl 1884 aufweist. Eine sp\u00e4ter erfolgte Identifizierung der abgebildeten Musikanten durch einen B\u00fcrger der Marktgemeinde ergab die Namen: Bischof, Stetter, Weinhardt, Holl, H\u00f6rmann S., Leichtle, Ranz, H\u00f6rmann Fr., J\u00fcngling.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter neuem Namen<\/p>\n\n\n\n<p>Neuen Auftrieb erhielt die T\u00e4tigkeit der Kapelle durch die Initiative des damaligen B\u00fcrgermeisters Franz Ranz, der den Musikern im Jahre 1890 die Umbenennung des Klangk\u00f6rpers in &#8222;Musikgesellschaft Illertissen&#8220; empfahl. In einer au\u00dferordentlichen Mitgliederversammlung am 29. November 1890 wurde diese Umbenennung beschlossen und die Kapelle nunmehr unter dieser neuen Bezeichnung weitergef\u00fchrt, wie im Protokoll \u00fcber diese Versammlung festgehalten wurde. Die Verhandlungsschrift tr\u00e4gt au\u00dfer der Unterschrift des B\u00fcrgermeisters Ranz die Namensz\u00fcge von Ignaz M\u00fcller als Vorstand, H. D\u00fcrr als Kassier sowie die Unterschriften der Vorstandsmitglieder A. Leichtle, Martin Hoermann, Eustachus Schaible, Josef Joos und Gustav Plersch.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem gegen eine Haussammlung zur Anschaffung der fehlenden Instrumente seitens des Bezirksamtes keine Einw\u00e4nde erhoben wurden, \u00fcbernahm wieder B\u00fcrgermeister Ranz die Federf\u00fchrung dieser Aktion und richtete noch im November 1890 einen Aufruf an &#8222;Verehrlichen Honoratioren und Einwohnerschaft Illertissen&#8220;, der mit den Worten schlie\u00dft: &#8222;Es wird an die Titl. verehrlichen Honoratioren und Einwohnerschaft die ergebenste Bitte gestellt, zu diesem l\u00f6blichen Zwecke ihr Scherflein beitragen zu wollen.&#8220; Die Aktion hatte den gew\u00fcnschten Erfolg und stellte der Gebefreudigkeit der Illertisser B\u00fcrger ein sch\u00f6nes Zeugnis aus. Innerhalb weniger Tage zeitigte die Kollekte &#8211; die Musiker hatten einen Bedarf von 200 Mark genannt &#8211; ein Ergebnis von 197 Mark und 30 Pfennigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach heutigen Ma\u00dfst\u00e4ben mag das Ergebnis dieser Kollekte unbedeutend erscheinen; es versetzte die &#8222;Musikgesellschaft Illertissen&#8220; aber immerhin in die gl\u00fcckliche Lage, ihren Instrumentenbestand um die fehlenden vier Instrumente zu vervollst\u00e4ndigen und das &#8222;Inventarium \u00fcber alle vorhandenen Ger\u00e4thschaften im Jahre 1891&#8220; weist folgenden Fundus auf: 1 Posaune, 1 Althorn, 1 Ba\u00dftrompete &#8211; alle drei Instrumente zu einem Ankaufspreis von je 50 Mark. Ferner 1 C-Trompete, 1 Fl\u00fcgelhorn, 1 Althorn, 1 alte Ba\u00dftrompete, 1 Bombardon, 1 B-Clarinette, 2 Es-Clarinetten.<\/p>\n\n\n\n<p>Musik bei allen Anl\u00e4ssen<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar k\u00fcndet kein Pressebericht der Heimatzeitung jener Jahre von bedeutenden &#8222;Produktionen&#8220; der Kapelle noch wird in Protokollen dar\u00fcber berichtet. Doch l\u00e4\u00dft der Kassenabschlu\u00df des Kassiers \u00fcber das Jahr 1898 allerlei R\u00fcckschl\u00fcsse \u00fcber die Vielfalt des musikalischen Einsatzes in diesem Jahr zu. So kassierte die Musikgesellschaft f\u00fcr die Mitwirkung bei der Prinzregentenfeier am 12. M\u00e4rz 1898 das stolze &#8222;Saleur&#8220; von 15 Mark. Auf der Ausgabenseite steht jedoch in gleicher H\u00f6he zu lesen: &#8222;An der Prinzregentenfeier ausbezahlt 13,70 Mark&#8220;. Die &#8222;Grabmusik an der Leiche des Herrn Albinger&#8220; erbrachte dem Verein 26 Mark; der Schmerz der Musikanten \u00fcber diesen Todesfall mu\u00df so m\u00e4chtig gewesen sein, da\u00df er an Ort und Stelle bet\u00e4ubt werden mu\u00dfte; denn auch auf der Ausgabenseite erscheinen prompt 26 Mark ! Nicht viel anders gestaltete sich der Umsatz bei einer &#8222;Unterhaltungsmusik beim Raible&#8220;, beim &#8222;Gartenfest in der Bierhalle&#8220;, bei der &#8222;Sedanfeier&#8220; und bei einer &#8222;Hochzeit beim Dornwirth&#8220;. Vom Honorar f\u00fcr die Musik bei der Turnhallener\u00f6ffnung am 9. Oktober wanderten immerhin 2 Mark in die Vereinskasse und nach diesem heute wohl kaum mehr vorstellbaren Verfahren schlie\u00dft das Jahr 1898 mit dem beachtlichen Aktiva-Rest von 5 Mark und 17 Pfennigen ab. O, gute alte Zeit!<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Musikgesellschaft aber schien keine gute Zeit angebrochen, denn der Kassenbericht des folgenden Jahres 1899 weist gar nur einen Haben-Rest von 1 Mark und 93 Pfennigen auf, \u00fcber welchen Betrag folgende Eintragung vermerkt ist: &#8222;Es wird constatirt, da\u00df obige 1,93 M. &#8211; Eine Mark 93 Pfge. &#8211; zu Neujahrsgeschenken f\u00fcr hiesige Arme, dem Betrag der Neujahrswunschenthebungskarten angef\u00fcgt worden sind und zwar auf Wunsch der Mitglieder des nun aufgel\u00f6sten Musikvereins. Illertissen, am 22. XII. 1900 &#8211; Lumper, B\u00fcrgermeister.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>1906 aber konnten die Hinterbliebenen des Buchdruckereibesitzers Donatus Egger in einer \u00f6ffentlichen Danksagung die Musikkapelle bereits wieder lobend erw\u00e4hnen. Auch im Jahre 1908 geht aus einem Bericht der Lokalzeitung die Mitwirkung der Musikkapelle bei einer Theaterauff\u00fchrung des Katholischen Gesellenvereins hervor; ebenso wie im Jahre 1912, als die Kapelle den Fronleichnamstag mit einem musikalischen Weckruf einleitete.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch einmal, bevor der Erste Weltkrieg das Wirken der Musikvereinigung schwer beeintr\u00e4chtigte und schlie\u00dflich ganz zum Erliegen brachte, stellten sich die Musiker dem Photographen; ein Gruppenbild, aufgenommen vor dem Westeingang des Rathauses, zeigt die Mitglieder Plersch, Wohnhas, Fleschhut, Dirr, Fick, H\u00f6rmann, J\u00fcngling Thad., Schaible, Menholz, Leichtle, Zoller und Miller.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des Ersten Weltkrieges und bis in das zweite Jahr der Nachkriegszeit hinein scheint nicht nur die musikalische, sondern auch die vereinsm\u00e4\u00dfige Arbeit der Kapelle geruht zu haben. Eine gro\u00dfe L\u00fccke in den Archivunterlagen von 1912 bis 1920 deutet dies an. Erst in diesem Jahre gibt ein von Vorstand Robert Schuler, Dirigent Wilhelm Kimpel und Schriftf\u00fchrer-Kassier Staus unterzeichnetes Gesuch um Genehmigung einer Haussammlung Kunde vom ununterbrochenen Bestehen der Musikvereinigung Illertissen. Die darin beklagten &#8222;Enormen Anschaffungspreise f\u00fcr Instrumente vom 10-15fachen gegen\u00fcber fr\u00fcher&#8220; zeigen, wie die beginnende Inflation auch das kulturelle Leben des Landes l\u00e4hmte.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine bei der Wiederaufnahme der Vereinst\u00e4tigkeit am 1. 7. 1920 erstellte Liste weist 48 aus\u00fcbende oder unterst\u00fctzende Mitglieder des jetzt endg\u00fcltig als &#8222;Musikvereinigung Illertissen&#8220; bezeichneten Vereins aus. Demnach war also auch nach Ende des Ersten Weltkrieges eine Neukonstituierung der Blaskapelle notwendig geworden. Um diese Neubelebung, so hei\u00dft es w\u00f6rtlich in einer Niederschrift, habe sich insbesondere der Erste Vorstand Robert Schuler dadurch verdient gemacht, indem es ihm gelang, den ehemaligen Milit\u00e4rmusikanw\u00e4rter und Trompeter im 19. Ulanenregiment Ulm, Wilhelm Kimpel, beim Finanzamt Illertissen unterzubringen und als Dirigenten der neugegr\u00fcndeten Musikvereinigung zu gewinnen. Die Vorstandschaft bestand nun aus Robert Schuler, Willy Kimpel, Franz H\u00f6rmann, Anton Stau\u00df, Franz J\u00fcngling, Georg N\u00e4gele und Josef H\u00f6rmann. Dank der hervorragenden musikalischen Begabung des neuen Dirigenten nahm die Kapelle eine rasche Aufw\u00e4rtsentwicklung, vor allem in der Ausbildung der Musiker und durch Neubeitritt jungen Nachwuchses. So konnte die Kapelle bereits am Martinifest 1920 ein von der B\u00fcrgerschaft beif\u00e4llig aufgenommenes Standkonzert veranstalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Musikproben fanden anfangs im Gasthaus zur &#8222;Rose&#8220;, sp\u00e4ter in einem Schulsaal der Volksschule statt. Diese Erfolge der Kapelle riefen auch die musikliebenden B\u00fcrger einiger Nachbargemeinden auf den Plan, vor allem in Bellenberg, wo am 16. Juli 1922 ein erstes Musikertreffen und gemeinsames Konzert abgehalten wurde. \u00d6ffentliche Konzerte im Hirschgarten, in Illereichen, Neu-Ulm und Obenhausen folgten diesem ersten Versuch. Vom 12. bis 14. August wurde bei der Wiedersehensfeier des ehemaligen Bayerischen 19. Infanterieregiments in Illertissen der Kapelle die Ausrichtung des musikalischen Programms \u00fcbertragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese in den folgenden Jahren von 1920 bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges sichtbare Aufw\u00e4rtsentwicklung ist gekennzeichnet durch die Vereinsarbeit einer aufeinander eingestimmten Vorstandschaft unter der F\u00fchrung von Robert Schuler sen., durch das musikp\u00e4dagogisch hervorragende Wirken des 1. Dirigenten Willy Kimpel, durch systematische Probenarbeit sowie durch eine solche Vielzahl von Veranstaltungen und \u00f6ffentlichen Auftritten in Illertissen, seiner Umgebung und auch in entfernten St\u00e4dten bis an den Bodensee, da\u00df die vollst\u00e4ndige Aufz\u00e4hlung den Rahmen dieses geschichtlichen R\u00fcckblicks sprengen w\u00fcrde. Nach dem R\u00fccktritt des 1. Vorstandes R. Schuler \u00fcbernahm Dirigent W. Kimpel auch als Vorsitzender die Leitung der Musikvereinigung.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu erw\u00e4hnen ist in diesem Zusammenhang, da\u00df die Musikkapelle Illertissen erstmals uniformiert in Erscheinung trat. Nach Beschlu\u00df der Hauptversammlung vom 22. M\u00e4rz 1925 bestand diese Uniform aus einem forstgr\u00fcnen Anzug mit dunkelgr\u00fcnem Kragen und gr\u00fcnen (beim Dirigenten silbernen) Achselschn\u00fcren sowie einer wei\u00dfmetallenen Lyra auf den Kragenecken und einem forstgr\u00fcnen Hut mit dunkelgr\u00fcnem Band.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Veranstaltungen, Treffen, \u00f6ffentlichen Auftritte, Hauptversammlungen und Ausschu\u00dfsitzungen hat der damalige Kassier und Schriftf\u00fchrer Georg N\u00e4gele sen. ausf\u00fchrlich festgehalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 1925 erw\u00e4hlte die Vereinigung den Gasthof &#8222;Hirsch&#8220; als Vereinslokal, das nun f\u00fcr viele Jahre die Heimst\u00e4tte der Musiker wurde. F\u00fcr das Jahr 1926 meldet die Chronik die Teilnahme am 5. Bezirksmusikfest in Jedesheim, den Musikfesten in Waltenhofen und Wei\u00dfenhorn. 1927 brachte Treffen in F\u00fcssen a. Lech, Babenhausen, Unterthingau; 1928 in Au, 1929 das S\u00e4ngerfest in Ulm, 1930 das Musikfest in Friedrichshafen am Bodensee und vor allem die musikalische Umrahmung der 500-Jahr-Feier zur Erinnerung an die Verleihung des Marktrechts an Illertissen. 1932: Beim Gaumusikfest in Kempten erringt die Kapelle Illertissen unter 29 angetretenen Vereinen mit dem St\u00fcck &#8222;Chor und Arie aus der Oper &gt;Der Troubadour&lt; von Verdi&#8220; einen &#8222;1a-Preis&#8220;, belegt den 4. Platz und kehrt mit Ehrenurkunden und Lorbeerkranz heim.<\/p>\n\n\n\n<p>Die &#8222;Gleichschaltung&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Jahr 1933 brachte einschneidende politische Ver\u00e4nderungen, die auch auf die T\u00e4tigkeit der Musikvereinigung nicht ohne Einflu\u00df blieb. Immer h\u00e4ufiger wurde die Kapelle zur Umrahmung nationaler Feiern, Aufm\u00e4rsche und Kundgebungen herangezogen. Die Musiker und ihre Vorstandschaft kamen anfangs diesen Aufforderungen noch vorbehaltlos nach; als die Musiker jedoch durch die allzuh\u00e4ufigen Anl\u00e4sse zeitlich und beruflich \u00fcberfordert wurden und zudem ihre Mitwirkung bei den bisher \u00fcblichen Veranstaltungen sowie kirchlichen Feiern und Vereinen dadurch zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund gedr\u00e4ngt wurde, entstand bei vielen Mitgliedern ein gewisses Unbehagen, das sie in Ausschu\u00dfsitzungen und schlie\u00dflich auch in \u00f6ffentlichen Mitgliederversammlungen unverhohlen zum Ausdruck brachten. Dessen ungeachtet befand sich der Klangk\u00f6rper, was seinen Ausbildungsstand und seine musikalischen Leistungen betrifft, auch in dieser Zeit noch auf beachtlicher H\u00f6he. Dieses Leistungsniveau wurde auch von den \u00fcbergeordneten Ebenen des Gesamtverbandes anerkannt und fand seinen landesweiten Ausdruck darin, da\u00df der Gau Bayern im Deutschen Musikbund die Musikvereinigung Illertissen mit der Ausrichtung des 7. Gaumusikfestes zu Pfingsten 1933 betraute. Diese Gro\u00dfveranstaltung gestaltete sich zu einem kulturellen Ereignis, wie es die Marktgemeinde Illertissen sowohl hinsichtlich der erschienenen G\u00e4ste aus allen Teilen Bayerns, der Prominenz der Ehreng\u00e4ste als auch im Hinblick auf die musikalischen Darbietungen kaum zuvor erlebt hatte. Ebenso ehrenvoll wie die Ortswahl f\u00fcr den V\u00f6hlinmarkt war auch die Ausbeute an k\u00fcnstlerischer Anerkennung, die das Wertungsspiel den Illertisser Musikern eintrug.<\/p>\n\n\n\n<p>Unerwartet ri\u00df im Mai 1942 der Tod den 1. Vorstand und eigentlichen Motor des Vereins, den Dirigenten Wilhelm Kimpel, mitten aus seinem segensreichen Wirken und machte den Verein von heute auf morgen f\u00fchrungslos und verwaist. Es war f\u00fcr den nachfolgenden Vorstand Georg N\u00e4gele unsagbar schwer, die schmerzliche L\u00fccke, die der Verlust W. Kimpels in die Reihen der Musiker gerissen hatte, auch nur notd\u00fcrftig auszuf\u00fcllen. Vor eine noch schwerere Aufgabe aber wurde Anton Mayer gestellt, den die Musiker nun zu ihrem 1. Dirigenten w\u00e4hlten und ihm damit den Auftrag erteilten, das von Willy Kimpel in jahrzehntelanger Arbeit erreichte musikalische K\u00f6nnen der Musiker zu erhalten und das Werk des heimgegangenen Dirigenten fortzusetzen. Zum Schriftf\u00fchrer wurde Hans Wiest gew\u00e4hlt und die Kassenf\u00fchrung Franz J\u00fcngling \u00fcbertragen. Diese Vorstandschaft \u00fcbernahm die F\u00fchrung der Musikvereinigung in schwerster Zeit, denn es verging kaum ein Monat, da die Musiker nicht in einer Trauerfeier das Andenken eines gefallenen Kameraden zu ehren hatten. Als im Fr\u00fchjahr 1945 endlich die Waffen schwiegen, ruhten soviel Musikkameraden in fremder Erde, waren vermi\u00dft oder in Kriegsgefangenschaft, da\u00df die T\u00e4tigkeit des Vereins abermals zu erliegen drohte. Als auf Befehl der amerikanischen Milit\u00e4rregierung gar die in satzungsgem\u00e4\u00dfer und demokratischer Wahl nominierten Vorstandsmitglieder ihre \u00c4mter niederlegen mu\u00dften, war dem Verein die letzte Existenzgrundlage entzogen und die Musiker beschlossen einstimmig, nicht mehr als Vereinigung im Sinne des Vereinsgesetzes, sondern nur mehr in der losen Form einer &#8222;Musikkapelle&#8220; unter der Leitung eines ernannten &#8222;Musikleiters&#8220; weiterzubestehen.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Zeit der schwersten Gef\u00e4hrdung erwuchs der Kapelle als Retter in h\u00f6chster Not ein Kamerad, der dank seiner Einsatzbereitschaft, vor allem aber dank seiner \u00fcberragenden musikalischen Begabung allein imstande war, das zu stranden drohende Schiff noch einmal flottzumachen und neuer T\u00e4tigkeit, neuer Aufw\u00e4rtsentwicklung und neuen Erfolgen entgegenzusteuern: Hans N\u00e4gele, von fr\u00fchester Jugend auf Musiker und Mitglied der Musikvereinigung und bew\u00e4hrter Milit\u00e4rkapellmeister. Die Generalversammlung am 26. Dezember 1945, als Hans N\u00e4gele den Dirigentenstab der Kapelle \u00fcbernahm, wurde dadurch zur Sternstunde der Blasmusik in Illertissen; sie leitete eine in neue Bl\u00fcte f\u00fchrende Epoche ein.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend entsprechend dem Befehl der Besatzungsmacht Dirigent Hans N\u00e4gele offiziell als &#8222;Musikleiter&#8220; fungierte, vollzog sich in aller Stille in Wirklichkeit doch eine vereinsm\u00e4\u00dfige Neubelebung der Kapelle nach den seit der Gr\u00fcndung bestehenden Satzungen. Nochmals sprang auf allseitige Bitte der seit Jahrzehnten bew\u00e4hrte Musikkamerad Georg N\u00e4gele in die Bresche und \u00fcbernahm f\u00fcr das Jahr 1949 als Vorstand die Leitung der Kapelle, bis die Hauptversammlung am 26.12.1949, gem\u00e4\u00df den Statuten des &#8222;Allg\u00e4u-Schw\u00e4bischen Musikbundes&#8220; eine in der Mitgliederzahl reduzierte Vorstandschaft zusammenstellte und in einstimmig erfolgter Neuwahl best\u00e4tigte. Aus dieser Wahl ging als 1. Vorstand Steinmetzmeister Josef Rimmele, als sein Stellvertreter Hans Wiest, als Schriftf\u00fchrer Peter K\u00f6gelmaier, als Kassier Franz J\u00fcngling und als 2. Dirigent Josef Egerer hervor. Wie einhellig und spontan das Vertrauen der Musiker in ihren 1. Dirigenten Hans N\u00e4gele war, geht daraus hervor, da\u00df sie es in seinem Falle gar nicht erst f\u00fcr erforderlich hielten, ihn durch einen Wahlgang in seinem Amte zu best\u00e4tigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die &#8222;Stadt&#8220;-Kapelle<\/p>\n\n\n\n<p>Josef Rimmele versah sein Amt mit Umsicht und Energie, insbesondere bei seinen wiederholten Interventionen bei der Marktgemeinde und ab 1954 Stadtverwaltung, wenn es um erh\u00f6hte Unterst\u00fctzung der Kapelle durch die kommunalen Stellen ging.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Gro\u00dfkonzert der Musikkapellen Illertissen und Altenstadt im Jahre 1949, die Teilnahme am 1. Allg\u00e4uer Bundesmusikfest in Immenstadt; Sonderbeifall f\u00fcr die Illertisser Musiker beim Bundesmusikfest in Buchloe 1950, allj\u00e4hrlich mehrere Konzerte mit stets sich steigernden Leistungen und schlie\u00dflich das 7. Bundesmusikfest in Illertissen anl\u00e4\u00dflich der Festwoche zur Stadterhebung und 1000-Jahr-Feier der Stadt Illertissen im Jahre 1954, bei dem die Musiker erstmals in ihrem neugeschaffenen &#8222;G\u2019wand&#8220; und als &#8222;Stadtkapelle Illertissen&#8220; in Erscheinung traten.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Jahreshauptversammlung vom 25. November 1956 verzichtete Vorstand Josef Rimmele aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden auf eine Wiederwahl. Zum ersten Vorstand wurde der bisherige 2. Vorstand Hans Wiest, zu seinem Stellvertreter Alois Vogt gew\u00e4hlt. Zum 1. Dirigenten wurde der Bezirks- und stellvertretende Bundesdirigent Hans N\u00e4gele, zu seinem Stellvertreter Josef Egerer berufen. Schriftf\u00fchrer wurde Helmut Lattner und Kassier Franz J\u00fcngling.<\/p>\n\n\n\n<p>Junge Kr\u00e4fte r\u00fccken nach<\/p>\n\n\n\n<p>Hans Wiest \u00fcbernahm die F\u00fchrung der Stadtkapelle in einer Zeit, da ihr Bestand wieder einmal in seiner T\u00e4tigkeit durch zahlenm\u00e4\u00dfig schwache Besetzung, einzelne Austritte und Einberufung vieler junger Musiker zur Bundeswehr oder Wegzug in andere Orte gef\u00e4hrdet war. Diese Erscheinungen erschwerten die Arbeit des neuen Vorstands trotz der hervorragenden musikalischen Leistungen, die die Stadtkapelle Illertissen unter der Stabf\u00fchrung Hans N\u00e4geles in Illertissen und bei vielen ausw\u00e4rtigen Veranstaltungen zeigte. Durch fortgesetzte Werbung und regelm\u00e4\u00dfige Auftritte in der \u00d6ffentlichkeit gelang es der Vorstandschaft jedoch, allm\u00e4hlich wieder erh\u00f6htes Interesse f\u00fcr die Bedeutung der Blaskapelle zu wecken. Auch setzte die Vorstandschaft ihre ganze Initiative daf\u00fcr ein, junge Nachwuchskr\u00e4fte aus den Reihen der B\u00fcrgerschaft zu finden, f\u00fcr die Mitarbeit in der Kapelle zu gewinnen und systematisch auszubilden. F\u00fcr diese schwierige Aufgabe stellten sich als Ausbilder Josef Egerer, Hans Lattner und Hans Mang zur Verf\u00fcgung, die die Unterweisung der jungen Musiker in den einzelnen Registergruppen \u00fcbernahmen und bald auch beachtenswerte Erfolge erzielten. Es bildete sich so eine Jugendmusikgruppe, die es bis 1961 zu einer St\u00e4rke von 15 Mitgliedern brachte und bei kleineren Veranstaltungen unter der Leitung von Hans Wiest jun. und Josef Egerer bereits mit eigenem, ihrem Ausbildungsstand angemessenen Programm auftreten konnte. Sie konnte sogar beim Wertungsspiel anl\u00e4\u00dflich des Bezirksmusikfestes 1961 in Unterroth einen ehrenvollen Platz einnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die folgenden Jahre der Vereinsgeschichte sind gekennzeichnet durch die Teilnahme an einer Reihe von bedeutenden Veranstaltungen von \u00fcber\u00f6rtlichem Range, so das Bezirksmusikfest 1952 in Wei\u00dfenhorn und 1962 in Krumbach. In beiden Treffen, bei denen Kapellen aus dem gesamten schw\u00e4bischen Bezirksbereich zu Wertungsspielen in allen Wertungsstufen antraten, gelang es der Illertisser Kapelle, die Punkteh\u00f6chstzahl aller gemeldeten Klangk\u00f6rper zu erreichen. In der R\u00fcckschau auf diese erfolgreichen Veranstaltungen kann allerdings auch eine nicht unerw\u00e4hnt bleiben, an die sich die Musiker wohl nicht gern zur\u00fcckerinnern. Es war dies das Bezirksmusikfest 1965 in Illertissen, als ein Unwetter bereits vor Beginn des Festes das Festzelt im Br\u00e4uhausgarten erheblich besch\u00e4digte und ein zweiter katastrophenartiger Gewittersturm w\u00e4hrend der Veranstaltung das Zelt vollends und restlos zerst\u00f6rte und so dem Musikfest ein j\u00e4hes Ende bereitete. Aber auch diesen unverschuldeten R\u00fcckschlag \u00fcberwanden Musiker, Dirigent und Vorstandschaft in unerm\u00fcdlicher Arbeit. Dieses Zusammenwirken aller Kr\u00e4fte erm\u00f6glichte die Teilnahme der Stadtkapelle an einer Vielzahl von Veranstaltungen nicht nur im Bereich des Bundes, sondern auch au\u00dferhalb der Landesgrenzen. So konnte die Kapelle Einladungen oder Auftrittsersuchen in Bruneck\/S\u00fcdtirol, Innsbruck, Colmar\/Frankreich und Appenzell\/Schweiz annehmen und an allen diesen Orten ehrenvoll bestehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum H\u00f6hepunkt im Kreislauf des Vereinsjahres wurde das allj\u00e4hrlich abgehaltene Osterkonzert; feststehende Tradition aber auch die musikalische Gestaltung des Kinderfestes und seit dem Jahre 1972 auch der neu eingef\u00fchrten Illertisser Heimatwoche.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausblick<\/p>\n\n\n\n<p>Immer mehr aber brach sich vor allem in den letzten Jahren die Einsicht Bahn, da\u00df ohne stete Zuf\u00fchrung und gr\u00fcndliche Ausbildung jungen Nachwuchses die Entwicklung und Zukunft der Kapelle nicht gew\u00e4hrleistet werden kann. Dieser grunds\u00e4tzlichen Aufgabe widmeten sich vor allem als Ausbilder Hans Lattner, Walter Mang, Josef Egerer, Erwin Weh sowie Heribert und Reinhold Wiest.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders gef\u00f6rdert wurden diese Bestrebungen durch die Schaffung einer Jugendkapelle, in der meist noch schulpflichtige Jungen und auch einige M\u00e4dchen unter der Leitung des Jugend-Musikleiters Rudi B\u00f6hm in systematischer \u00dcbungsarbeit in der Erlernung und Handhabung ihrer Instrumente und dem Zusammenspiel geschult werden. Im Rahmen von gr\u00f6\u00dferen Veranstaltungen konnte diese Jugendkapelle auch schon mit leichteren St\u00fccken an die \u00d6ffentlichkeit treten und jedesmal spontanen Beifall der Zuh\u00f6rer ernten.<\/p>\n\n\n\n<p>Solange junge Mitb\u00fcrger der Stadt Illertissen echte selbstlose Freude am Sch\u00f6nen in sich versp\u00fcren und Zeit, Kraft und nat\u00fcrliche Begabung der Pflege volksnaher Musik widmen, \u00fcber dieses Jubil\u00e4um hinaus in k\u00fcnftige Zeit, getreu den Idealen, von denen sich die Gr\u00fcnder des Jahres 1875 leiten lie\u00dfen, solange ist es um uns alle gut bestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Gottfried K\u00f6lbl sollte erfreulicherweise Recht behalten: Eine verantwortungsbewu\u00dfte Nachwuchsarbeit bildet die Grundlage f\u00fcr ein erfolgreiches Fortbestehen der gesamten Stadtkapelle. Wie gut dies den Vorst\u00e4nden, Dirigenten und weiteren Verantwortlichen in den letzten 25 Jahren gelungen ist, beweisen die vielf\u00e4ltigen Erfolge der Jungmusiker bei Wettbewerben, ihr gekonntes konzertantes Zusammenspiel bei heimischen Auff\u00fchrungen und \u00fcberregionalen Wettbewerben, aber auch die musikalische Weiterentwicklung der gesamten Stadtkapelle, die ihre allseits anerkannte hohe Leistungsf\u00e4higkeit sowohl auf die Erfahrung und das K\u00f6nnen der langj\u00e4hrigen Aktiven als auch auf den frischen Schwung und die professionelle Ausbildung der Jugendlichen zur\u00fcckf\u00fchrt. Aus den Jugendlichen zur Zeit des hundertj\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums sind l\u00e4ngst die Leistungs- und Verantwortungstr\u00e4ger von heute geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>Von der &#8222;Blechmusik&#8220; zum sinfonischen Blasorchester:<\/p>\n\n\n\n<p>Im Folgenden soll die aktuelle Situation der Stadtkapelle Illertissen an der Schwelle zum dritten Jahrtausend aufgezeigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Um diese richtig einordnen zu k\u00f6nnen, erscheint eine kurze Darstellung der Blasmusik als eigenst\u00e4ndiger Musikgattung als n\u00fctzliche Einf\u00fchrung:<\/p>\n\n\n\n<p>Vor wenigen Jahrzehnten wurde Blasmusik von Leuten, die sich f\u00fcr Musikkenner hielten, noch als &#8222;Blechmusik&#8220; oder &#8222;Biermusik&#8220; abqualifiziert. Dabei war die &#8222;Blechmusik&#8220; urspr\u00fcnglich eine durchaus \u00fcbliche Besetzungsform des bl\u00e4serischen Musizierens. Sie war, aus der Kavalleriemusik abgeleitet, die ja keine Holzinstrumente kannte, auch bei l\u00e4ndlichen Blaskapellen allgemein verbreitet. Aus den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg ist \u00fcberliefert, dass der damalige Illertisser Dirigent Wilhelm Kimpel, ein ehemaliger Milit\u00e4rmusiker, bei manchen Musikst\u00fccken, insbesondere M\u00e4rschen, die Stellen, die \u00fcblicherweise in gro\u00dfer Harmoniemusikbesetzung von Holzinstrumenten zu spielen waren, als Solist auf dem Piccolo-Piston, einer alten Form der Trompete, blies.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur Musiksachverst\u00e4ndige, sondern auch das interessierte Publikum im ausgehenden 20. Jahrhundert haben jedoch l\u00e4ngst erkannt, dass die Blasmusik in den letzten Jahrzehnten einen v\u00f6llig neuen Charakter erhalten hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Einerseits hat auch heute gepflegte Unterhaltungsmusik ihren anerkannten Stellenwert und ist als Gebrauchsmusik f\u00fcr zahlreiche Gelegenheiten beliebt und unverzichtbar. Es ist auch zur Selbstverst\u00e4ndlichkeit geworden, dass Unterhaltungsmusik sauber intoniert und stilvoll geboten und nicht einfach &#8222;heruntergespielt&#8220; wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Andererseits hat sich die &#8222;sinfonische&#8220; oder &#8222;konzertante&#8220; Blasmusik in wenigen Jahren v\u00f6llig neu entwickelt. Auf eine Initiative von Paul Hindemith beim Donaueschinger Musikfest des Jahres 1926 zur\u00fcckgehend, aus England durch Komponisten wie Gustav Holst und Percy Aldridge Grainger beeinflu\u00dft, entstanden zun\u00e4chst in den USA und nach dem Zweiten Weltkrieg in Westeuropa und Japan Kompositionen, die bahnbrechend f\u00fcr die Neuentwicklung der Blasmusik waren. Namen wie Alfred Reed, Henk van Lijnschooten, Jan und Jacob de Haan oder Naohiro Iwai seien hier nur stellvertretend f\u00fcr viele genannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Vergleicht man heutige Konzertprogramme mit solchen aus der Zeit vor 25 Jahren, so findet man deutliche Unterschiede: Waren es damals noch vor allem Bearbeitungen klassischer Meisterwerke und aus der Opernliteratur sowie Reminiszenzen an die Milit\u00e4rmusik vergangener Jahrzehnte, so beherrscht heute die symphonische Blasmusik in all ihrer neu entstandenen Vielfalt die Konzertb\u00fchnen. Dass dennoch Erhaltenswertes aus fr\u00fcherer Zeit weiter gepflegt wird, geh\u00f6rt zu den anerkennenswerten Verdiensten der musikalischen Leiter zeitgen\u00f6ssischer Blasorchester.<\/p>\n\n\n\n<p>Von den Weltorganisationen der Blasmusik \u2013 CISM (&#8222;Conf\u00e9d\u00e9ration Internationale des Soci\u00e9t\u00e9s Musicales&#8220;) und WASBE (&#8222;World Association for Symphonic Bands and Ensembles&#8220;) \u2013 \u00fcber die BDBV (&#8222;Bundesvereinigung Deutscher Blas- und Volksmusikverb\u00e4nde&#8220;) und im Besonderen den Allg\u00e4u-Schw\u00e4bischen Musikbund (ASM) bis hin zu unserer Stadtkapelle Illertissen ist allen eines gemeinsam: Ihre Dirigenten und Musikverantwortlichen haben es in den letzten 25 Jahren hervorragend verstanden, die ihnen anvertrauten Kapellen zu leistungsf\u00e4higen Orchestern heranzubilden, die heute ihrem Publikum Musikdarbietungen vorstellen k\u00f6nnen, die weder in ihrem kompositorischen Charakter noch in der Qualit\u00e4t der musikalischen Ausf\u00fchrung hinter dem zur\u00fcckstehen m\u00fcssen, was hoch subventionierte Klangk\u00f6rper des &#8222;etablierten&#8220; Konzertlebens ihrem teuer zahlenden Publikum bieten. Dabei ist nicht zu vergessen, dass es sich bei den Blasorchestern unserer Tage mit Ausnahme der Milit\u00e4rkapellen fast ausschlie\u00dflich um Musikvereinigungen von Laien handelt, die zwar vielfach von professionellen Musikern ausgebildet werden, die aber doch den Schwerpunkt ihrer Musikaus\u00fcbung in der Freizeit haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stadtkapelle Illertissen hat diese Entwicklung nicht nur mitgemacht, sondern sie in ihrem Umfeld auch entscheidend mitgepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 1978 wurde ein Generationswechsel vollzogen, der nicht nur organisatorisch, sondern auch musikalisch weitreichende Folgen hatte. Hans Wiest als Vorsitzender und Hans N\u00e4gele als Dirigent, unterst\u00fctzt von f\u00e4higen Vorstandsmitgliedern und Ausbildern, hatten durch konsequente Aufbauarbeit in den drei Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Stadtkapelle einen allseits anerkannten Verein mit einem renommierten Klangk\u00f6rper gepr\u00e4gt. Nun nahmen Helmut Lattner als Vorsitzender und Rudi B\u00f6hm als Dirigent die Geschicke der Stadtkapelle in ihre H\u00e4nde. Auf der von ihren Vorg\u00e4ngern geschaffenen soliden Grundlage gingen sie mit gro\u00dfem Engagement und auch mit respektablem Erfolg daran, ein zeitgem\u00e4\u00dfes Blasorchester heranzubilden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Osterkonzert ist zu einem der unbestrittenen H\u00f6hepunkte des Kulturlebens in der V\u00f6hlinstadt geworden und wurde unter der k\u00fcnstlerischen Leitung von Rudi B\u00f6hm sowohl im Hinblick auf die Programmauswahl als auch auf die musikalische Qualit\u00e4t zu einem Musterbeispiel daf\u00fcr, was ein zeitgem\u00e4\u00dfes Laienblasorchester bieten kann. Aktuelle Originalkompositionen f\u00fcr symphonisches Blasorchester pr\u00e4gen das Programm; oft geh\u00f6rt ein meisterlicher Auftritt f\u00fcr Solo und Orchester mit dazu, und auch anspruchsvolle Unterhaltungsmusik kommt nicht zu kurz, denn ein Streifzug durch die Welt des Musicals oder der Filmmusik ist ein fester Bestandteil im Repertoire des Osterkonzertes. Wiederholt waren namhafte Komponisten wie beispielsweise Hubert Motay zu Gast, und Kurt G\u00e4ble aus Erkheim, europaweit ein Begriff in der zeitgen\u00f6ssischen Blasmusikszene, erlebte hier die Urauff\u00fchrung eines seiner gro\u00dfen Werke. Informative Moderationstexte mit Hintergrundinformationen zur Entstehung des Werkes, zur kompositorischen Absicht und aus dem Leben des Tondichters, erleichtern dem interessierten Publikum das Verst\u00e4ndnis der Kompositionen. F\u00fcr Musikfreunde aus nah und fern ist der Abend des Ostersonntags fest eingeplant.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die \u00fcbrigen konzertanten Auftritte w\u00e4hrend des Jahres orientieren sich an dem Niveau, das durch das Osterkonzert vorgegeben wird. Befreundete Vereine der Umgebung sch\u00e4tzen es sehr, die Stadtkapelle mit Teilen ihres Konzertprogrammes als Bereicherung in ihre eigenen Konzerte aufnehmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten Jahren kam wiederholt eine festliche Serenade als weiterer H\u00f6hepunkt in den Jahres-Terminkalender der Aktiven: Im Hof des V\u00f6hlinschlosses und zuletzt im Rahmen der &#8222;Bretonischen Woche&#8220; vor der Historischen Schranne steht dabei festliche Musik aus mehreren Jahrhunderten, von H\u00e4ndels &#8222;Feuerwerksmusik&#8220; bis hin zu zeitgen\u00f6ssischen Ouvert\u00fcren, aber auch ein Streifzug durch die Marschmusik mehrerer europ\u00e4ischer L\u00e4nder, auf dem Programm und findet stets ein begeistertes Publikum. Die Serenade zur Bretonischen Woche im September 1999 bildete den geeigneten Rahmen f\u00fcr einen historischen Wechsel im Amt des Dirigenten: Nach 21 Jahren \u00e4u\u00dferst erfolgreicher und fruchtbarer T\u00e4tigkeit \u00fcbergab Rudi B\u00f6hm den Dirigentenstab an seinen Nachfolger Magnus Blank. Dieser, bef\u00e4higt durch eine anerkannt hervorragende Ausbildung und getragen vom Vertrauen des Orchesters, geht nun daran, die Stadtkapelle in ihr Jubil\u00e4umsjahr zu f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Feste Bestandteile des Musikjahres sind selbstverst\u00e4ndlich auch die Teilnahmen an Festen befreundeter Vereine, sei es durch Beitr\u00e4ge zum Unterhaltungsprogramm oder an Festz\u00fcgen, die nach wie vor ihr Publikum finden. Seitens des Allg\u00e4u-Schw\u00e4bischen Musikbundes wird in den letzten Jahren das Auftreten bei Umz\u00fcgen durch die Veranstaltung eines Marschmusik-Wettbewerbes gef\u00f6rdert, womit die Wertsch\u00e4tzung dieser Art von Auftritten ausdr\u00fccklich anerkannt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wertungsspiele bei Bezirks-, Landes- und Bundesmusikfesten stellen eine besondere Herausforderung an das gesamte Orchester dar. Die Pflicht- und Selbstwahlst\u00fccke, stets ein Querschnitt durch das aktuelle Niveau der konzertanten Blasmusik, verlangen sorgf\u00e4ltige Vorbereitung und engagiertes Zusammenwirken aller Beteiligten. Zahlreiche Spitzenbewertungen zeugen von der musikalischen Leistungsf\u00e4higkeit des Orchesters. So konnte bei der Verabschiedung von Rudi B\u00f6hm im Herbst 1999 darauf hingewiesen werden, dass die Stadtkapelle unter seiner Leitung zehn Mal einen &#8222;Ersten Rang mit Auszeichnung&#8220; bei Wertungsspielen erhalten hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen erfreulichen Aufschwung erfuhr auch die Kirchenmusik: Besondere Gottesdienste im Kirchen- und Vereinsjahr, von Fronleichnam bis zum Volkstrauertag, oder Hochzeitsfeiern erfahren durch festliche Bl\u00e4sermusik eine besondere Aufwertung, und die sowohl liturgisch passende als auch musikalisch hochwertige Begleitung des Gemeindegesanges darf als geradezu musterg\u00fcltig bezeichnet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Unterhaltungsmusik geh\u00f6rt seit jeher zu den Dom\u00e4nen eines gro\u00dfen Blasorchesters und hat seit vielen Jahren nichts mehr mit &#8222;Biermusik&#8220; zu tun. Hierbei ergab sich in den letzten zehn Jahren eine interessante Entwicklung: Die st\u00e4dtische &#8222;Heimatwoche&#8220;, fr\u00fcher nicht wegzudenkender Bestandteil des Vereins- und Festkalenders, wurde aufgrund st\u00e4ndig zur\u00fcckgehender Besucherzahlen eingestellt. Statt dessen h\u00e4ufen sich landauf, landab die sommerlichen Freiluftfeste und von Ende Mai bis Anfang September sind die Zeitungen voll von Einladungen zu Stra\u00dfen-, Vereins-, Dorf- und Stadtfesten. Dass dabei die Blasmusik stets besonders gefordert ist, versteht sich von selbst. Auf das Altstadtfest der Stadtkapelle als besonderem H\u00f6hepunkt der sommerlichen Festsaison soll an anderer Stelle eigens eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stadtkapelle bietet aber nicht nur in Illertissen selbst den musikalischen Rahmen f\u00fcr Feste und Feierlichkeiten aller Art; sie tritt auch im Ausland als stets willkommene Botschafterin der V\u00f6hlinstadt auf. &#8222;Musiker auf Reisen&#8220; sind stets gern gesehene G\u00e4ste: Die &#8222;Schw\u00e4bisch-Bayerischen Wochen&#8220;, die in vierj\u00e4hrigem Turnus in der Partnerstadt Carnac (Frankreich) an der bretonischen Atlantikk\u00fcste stattfinden, sind ohne die Auftritte der Stadtkapelle bei Konzert und Serenade, aber auch auf dem Wochenmarkt oder beim &#8222;Bayerischen Abend&#8220; nicht denkbar. Die Patengemeinde des Landkreises Neu-Ulm, Prad am Stilfserjoch in S\u00fcdtirol (Italien), war ebenfalls schon Ziel von gelungenen Ausflugs- und Konzertfahrten. In j\u00fcngster Zeit kam die neue Partnerstadt Illertissens, Elbogen im Egerland (Tschechische Republik), hinzu: Hier wurde im September 1999 der Festakt zur Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde im dortigen historischen Burghof festlich umrahmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber nicht nur das gro\u00dfe Blasorchester hat seine Auftritte: Das Spiel in kleinen Gruppen findet seit Jahren immer mehr Freunde. Zahlreiche Gelegenheiten des \u00f6ffentlichen Lebens sind ohne den Beitrag des Blechbl\u00e4ser-Quartetts, des Holzbl\u00e4ser-Trios oder anderer Gruppen nicht mehr vorstellbar. Dankbar werden diese Auftritte bei st\u00e4dtischen Festveranstaltungen, bei Empf\u00e4ngen und Ausstellungser\u00f6ffnungen, bei Festakten zu Vereins- oder Firmenjubil\u00e4en, oder auch beim Adventsingen registriert.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Spiel in kleinen Gruppen ist \u2013 wie das Solospiel \u2013 auch Gegenstand von Wettbewerben des ASM, wie z.B. Solo-\/ Duo-Wettbewerb, oder Kammermusikwettbewerb, bei denen vor allem die Nachwuchskr\u00e4fte der Stadtkapelle immer wieder beachtliche Erfolge erzielen. Ein &#8222;Erster Rang mit Auszeichnung&#8220; beim Bezirksentscheid berechtigte schon eine ganze Reihe von jungen Aktiven zur Teilnahme am Bundeswettbewerb des ASM, und von hier aus gelang auch mehrfach mit demselben Pr\u00e4dikat der Sprung zum Bayerischen Landeswettbewerb, wo wiederum beachtliche Erfolge errungen werden konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Bereich der traditionellen Volksmusik geh\u00f6ren die &#8222;Illertisser Bl\u00e4ser&#8220; zum festen Bestandteil der S\u00e4nger- und Musikantentreffen ebenso wie zu den gesch\u00e4tzten Beitr\u00e4gen auf mehreren Schallplatteneinspielungen und in einschl\u00e4gigen Programmen des Bayerischen Rundfunks.<\/p>\n\n\n\n<p>Die &#8222;Kleine Besetzung&#8220; bietet schwungvolle Unterhaltungsmusik bei verschiedensten Anl\u00e4ssen in der \u00d6ffentlichkeit und im Kreis der eigenen Musikerfamilie.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gesamte Nachwuchs-Ausbildung liegt seit einigen Jahren vollst\u00e4ndig in den bew\u00e4hrten H\u00e4nden von erfahrenen Berufsmusikerinnen und \u2013Musikern, die selbst \u00fcber die erforderlichen Ausbildungen und Bef\u00e4higungen, sei es durch Studium an Konservatorium oder Musikhochschule oder durch die Ausbildung zum Lehrer an Musikschulen, verf\u00fcgen. Die Jugenddirigenten Wolfgang Gira und Holger Koppitz hatten ihrerseits jeweils den Dirigenten-Hauptkurs des ASM als Lehrgangsbeste absolviert. Lange Jahre zuvor hatten erfahrene Musiker aus den eigenen Reihen diese verantwortungsvolle Aufgabe mit gro\u00dfer Hingabe erf\u00fcllt. Somit ist stets ein hoher Qualit\u00e4tsstandard gew\u00e4hrleistet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Jugendkapelle hat sich seit mehreren Jahren zu einem eigenst\u00e4ndigen, leistungsf\u00e4higen Orchester entwickelt. Am 16. Dezember 1973 ist der erste Auftritt der Jugendkapelle unter ihrem damaligen Leiter Rudi B\u00f6hm in den Annalen der Stadtkapelle vermerkt. Er leitete die Jugendkapelle bis zum Jahr 1986, wo er sie an Wolfgang Gira \u00fcbergab. War sie in fr\u00fcheren Zeiten allenfalls einmal im Jahr, sozusagen als &#8222;Vorprogramm&#8220;, im Osterkonzert vor gr\u00f6\u00dferem Publikum zu h\u00f6ren, so hat sich dies in wesentlichen Punkten, und sicherlich zum Besseren, weiter entwickelt: Am ersten Wochenende des Monats Juli bietet die Historische Schranne den passenden Rahmen f\u00fcr ein eigenst\u00e4ndiges Jugendkonzert, bei dem ein beachtliches Programm geboten wird. Vorbereitet wird es nicht nur bei den w\u00f6chentlichen Proben, sondern vor allem auch in den Pfingstferien im Rahmen eines mehrt\u00e4gigen Probenaufenthaltes auf einer H\u00fctte oder in einem Jugendhaus. Ein Erster Rang mit Auszeichnung in der Unterstufe bei der ersten Teilnahme an einem Wertungsspiel, im folgenden Jahr ein Erster Rang mit Auszeichnung in der Mittelstufe und nicht zuletzt ein dritter Platz beim Jugendblasorchester-Wettbewerb des ASM im Jahr 1999 sind nicht nur verdienter Lohn f\u00fcr konzentrierte Probenarbeit, sondern geben auch Zeugnis von einer hervorragenden Ausbildung der Nachwuchskr\u00e4fte.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor wenigen Jahren wurde das Vorstufenorchester unter der Leitung von Holger Koppitz gegr\u00fcndet, das den J\u00fcngsten unter den Nachwuchskr\u00e4ften Gelegenheit bietet, erstes Zusammenspiel zu erlernen. Bei entsprechend einfacher Literatur haben so schon Anf\u00e4nger die M\u00f6glichkeit, zu erkennen, dass das oft gef\u00fcrchtete \u00dcben nicht nur aus eventuell langweiligem Solospiel besteht, sondern dass Musizieren auch genaues Hinh\u00f6ren auf den Nachbarn und die ganze Gruppe bedeutet. Stillschweigend werden somit auch soziale Tugenden einge\u00fcbt, die nicht nur auf musikalischem Gebiet, sondern f\u00fcr das ganze Leben wertvoll sind. Seit April 2000 wird das Vorstufenorchester von Lisa Watko geleitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Einst als &#8222;Nikolausfeier&#8220; eingef\u00fchrt, stellt heute der Nachmittag des ersten Adventssonntages ein wichtiges Datum im Jahreslauf der Jugendausbildung dar: Bei einem Konzertnachmittag in famili\u00e4rem Rahmen, fr\u00fcher im Br\u00e4uhaussaal, heute im Pfarrheim St. Martin, stellen die Jungmusikerinnen und Jungmusiker, vom Anf\u00e4nger bis zum erfolgreichen Wettbewerbsteilnehmer auf Bundesebene, ihr K\u00f6nnen vor, wobei insbesondere das Spiel in kleinen Gruppen als p\u00e4dagogisch und musikalisch wertvolle Ausbildungs- und Vortragsform gepflegt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr gelungene Konzerte bieten die dazu erforderlichen Proben- und Veranstaltungsr\u00e4ume. Die Proben fanden bis zum September 1997 in der Aula der Bischof-Ulrich-Schule f\u00fcr das gesamte Orchester sowie f\u00fcr kleine Gruppen im ehemaligen Altersheim \u2013 heute Vereins- und Jugendheim \u2013 an der Spitalstra\u00dfe statt. Die dortigen \u00e4u\u00dferen Bedingungen waren f\u00fcr einen geordneten Ausbildungsbetrieb kaum noch ertr\u00e4glich und erwiesen sich mehr und mehr als ein erhebliches Handicap f\u00fcr die gesamte Vereinsarbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach jahrelangen Bem\u00fchungen aller Verantwortlichen konnte schlie\u00dflich im Jahre 1997 in Zusammenarbeit mit der Stadt Illertissen eine L\u00f6sung gefunden werden: Das Verwaltungsgeb\u00e4ude der ehemaligen Firma &#8222;Adlus&#8220; an der gleichnamigen Stra\u00dfe wurde nach entsprechenden Umbauten im Erdgescho\u00dfbereich vom neu errichteten st\u00e4dtischen Kindergarten &#8222;Regenbogenland&#8220; belegt. Das Untergescho\u00df des Geb\u00e4udes konnte dann von der Stadt Illertissen im Rahmen eines langfristigen Erbpachtvertrages an die Stadtkapelle \u00fcbergeben und von dieser in vorbildlicher Gemeinschaftsleistung zu Probenr\u00e4umen umgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ma\u00dfgeblichen Anteil am Erfolg der Gespr\u00e4che mit der Stadt Illertissen und damit am Entstehen des Probenraumes hatte der seit 1996 amtierende Erste Vorsitzende Heribert Wiest, der nicht nur als fairer und konsequenter Verhandlungspartner von B\u00fcrgermeister, Stadtverwaltung, Notar und technischen Fachleuten gesch\u00e4tzt wurde, sondern auch pers\u00f6nlich eine Vielzahl praktischer Arbeitsstunden in das Gemeinschaftswerk mit einbrachte. Er hatte im Jahr 1996 mit der \u00dcbernahme des Vorstandsamtes von seinem Vorg\u00e4nger Helmut Lattner, dem heutigen Ehrenvorsitzenden, die Verhandlungsf\u00fchrung \u00fcbernommen und brachte sie im Jahr 1998 zu einem f\u00fcr alle Seiten befriedigenden gl\u00fccklichen Ende. Im September 1997 konnte die erste Probe in den neuen R\u00e4umen abgehalten werden, die seither mit Recht als besonderes Schmuckst\u00fcck angesehen werden d\u00fcrfen, und bei der offiziellen Er\u00f6ffnung und Einweihung im Mai 1998 fanden die mit gr\u00f6\u00dfter Sorgfalt ausgef\u00fchrten handwerklichen Arbeiten, aber auch die technischen Installationen, allseits hohe Anerkennung.<\/p>\n\n\n\n<p>In den 13 Monaten des Probenraumbaues hatten die Aktiven des Vereins insgesamt 2602 freiwillige und kostenlose Arbeitsstunden geleistet. Vom Ehrenvorsitzenden bis zum Sch\u00fcler hatten alle, je nach ihren F\u00e4higkeiten, zahlreiche Freizeitstunden geopfert. Fachleute aus den eignen Reihen \u00fcbernahmen besondere Aufgaben wie beispielsweise den Bau der Akustikw\u00e4nde, aber auch Jugendliche brachten sich durch Hilfst\u00e4tigkeiten mit ins Gemeinschaftswerk ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders erw\u00e4hnt seien nur die Akustik- und L\u00fcftungsanlagen, die es erlauben, inmitten eines Wohngebietes und in unmittelbarer Nachbarschaft einer Seniorenwohnanlage bei besten Bedingungen musizieren zu k\u00f6nnen, ohne dass auch nur ein Ton nach au\u00dfen dringt, wobei der Ger\u00e4uschpegel der leistungsf\u00e4higen L\u00fcftungsanlage im Inneren der Probenr\u00e4ume noch weit unter den Normwerten f\u00fcr Rundfunk- und Aufnahmestudios liegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Konzertb\u00fchne diente viele Jahre hindurch die dem neuen Probenraum schr\u00e4g gegen\u00fcber liegende Turnhalle des TSV Illertissen an der Jahnstra\u00dfe \/ Adlusstra\u00dfe. Bedingt durch die Neuorientierung der Konzertprogramme \u2013 weg vom Unterhaltungskonzert mit Wirtschaftsbetrieb hin zum &#8222;Stuhlkonzert&#8220; \u2013 und durch den erfreulichen Anstieg der Zuh\u00f6rerzahlen, wurde dann mehrere Jahre lang das Osterkonzert sowohl auf der B\u00fchne der TSV-Halle als auch in der Bischof-Ulrich-Schule geboten, ehe man sich entschloss, das Osterkonzert ab dem Jahre 1984 in der zwischenzeitlich zur Festhalle umgebauten ehemaligen Turnhalle des Kollegs der Schulbr\u00fcder zu veranstalten, wo nunmehr die geeignete Konzertb\u00fchne zur Verf\u00fcgung steht. Vor dem Jubil\u00e4um der Stadtkapelle im Jahre 2000 stehen die Arbeiten f\u00fcr eine neue st\u00e4dtische Mehrzweckhalle am Beginn; die entsprechenden Stadtratsbeschl\u00fcsse sind gefasst. In K\u00fcrze darf somit damit gerechnet werden, dass ein weiterer geeigneter Raum f\u00fcr konzertante Auftritte zur Verf\u00fcgung steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben all den konzertanten Aktivit\u00e4ten bilden auch gesellige und andere Veranstaltungen einen wichtigen Bestandteil dessen, was das ganze Jahr hindurch f\u00fcr die Mitglieder der Stadtkapelle im Terminkalender steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier ist zun\u00e4chst das Altstadtfest zu erw\u00e4hnen: Es war im Jahre 1980 auf Initiative des damaligen Vorsitzenden und heutigen Ehrenvorsitzenden Helmut Lattner eingef\u00fchrt worden. Der dritte Sonntag im August verlangt allj\u00e4hrlich vollen Einsatz von allen Mitgliedern und zahlreichen Angeh\u00f6rigen und Freunden: Die Rosenstra\u00dfe wird dabei zum Schauplatz eines der beliebtesten und gr\u00f6\u00dften sommerlichen Freiluftfeste im weiten Umkreis. Schon am Samstag beginnen die Aufbauarbeiten, nachdem die Verantwortlichen bereits lange zuvor die organisatorischen Voraussetzungen geschaffen haben. Wenn dann das Wetter mitspielt \u2013 und das war erfreulicherweise bisher meist der Fall \u2013 dann beginnen am Sonntag um zehn Uhr mit dem Bieranstich durch den B\u00fcrgermeister zw\u00f6lf Stunden fr\u00f6hlichen Feierns: Befreundete Musikkapellen spielen zur Unterhaltung, und die Musikerinnen und Musiker der Stadtkapelle vertauschen f\u00fcr einen Tag ihre Instrumente mit Kochl\u00f6ffel oder Ma\u00dfkrug. Auch die Eltern der Jungmusiker leisten ihren Beitrag, denn der Erl\u00f6s des ganzen Festes dient auch der F\u00f6rderung der Jugendarbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch vereinsintern kommen Geselligkeit und Kameradschaftspflege nicht zu kurz: Der allj\u00e4hrliche Ehrungs- und Kameradschaftsabend im November \u2013 vom Vorsitzenden Heribert Wiest im Jahr 1996 erstmals durchgef\u00fchrt \u2013 bildet nicht nur den Abschluss eines Vereinsjahres mit dem Jahresr\u00fcckblick, sondern stellt auch die willkommene Gelegenheit dar, langj\u00e4hrigen Aktiven verdiente Ehrungen zukommen zu lassen sowie den Aktiven und allen, die im Laufe des Jahres bei Veranstaltungen, vor allem beim Altstadtfest, mitgeholfen haben, entsprechenden Dank abzustatten. Die Historische Schranne bietet den bestens geeigneten \u00e4u\u00dferen Rahmen. Festliche Musik, selbstverst\u00e4ndlich von kleinen Gruppen aus den eigenen Reihen gestaltet, sowie Gru\u00dfworte von Vertretern der Stadt und des Allg\u00e4u-Schw\u00e4bischen Musikbundes stehen im ersten Teil der Veranstaltung im Vordergrund, ehe dann bei gemeinsamem Essen und guter Unterhaltung auf das Musikerjahr zur\u00fcckgeblickt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn dabei stets R\u00fcckschau auf bemerkenswerte Erfolge, sei es bei Konzerten, Wertungsspielen oder anderen Veranstaltungen, gehalten werden kann, so ist dies jeweils als Verdienst vieler engagierter Musikerinnen und Musiker anzusehen, die in lobenswerter Gemeinschaftsleistung, gef\u00fchrt von einer verantwortungsbewu\u00dften und tatkr\u00e4ftigen Vorstandschaft sowie von sachkundigen musikalischen Leitern, daran weiter arbeiten, dieselben Ziele zu verfolgen, die schon vor 125 Jahren im Vordergrund standen: Den Mitmenschen, aber auch sich selbst, durch qualifizierte Musikaus\u00fcbung Freude zu bereiten und so das Leben zu bereichern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>125 Jahre Stadtkapelle Illertissen von Wilhelm Schmid 125 Jahre Blasmusik in Illertissen stellen nicht nur eine Chronik der praktischen Aus\u00fcbung von Musik mit Blasinstrumenten und allem, was dazugeh\u00f6rt, dar \u2013 ein Blick auf dieses &#8222;Achtel-Jahrtausend&#8220; bietet gleichzeitig R\u00fcckschau auf die gesellschaftliche Entwicklung unserer Heimat und dar\u00fcber hinaus. 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