Die Stadtkapelle zeigt beim Osterkonzert ihr meisterhaftes Können

Dirigent David Schöpf und seine Musikerinnen und Musiker begeistern 600 Menschen in Illertissen. Und am Ende gibt es noch eine Überraschung.

Von Wilhelm Schmid

Rund sechshundert Leute im Publikum wurden in der Vöhlinhalle von der Stadtkapelle Illertissen zu Beginn ihres 61. Osterkonzertes in die Weiten des Weltraums mitgenommen, wo man einer Fülle von funkelnden Sternschnuppen begegnete. Mit „Infinity“ schildert der junge US-Komponist Katahj Copley, wie sich die geheimnisvollen Teile der Materie strahlend durch das Dunkel des Alls bewegen und dabei verschiedenen Szenarien begegnen. Dirigent David Schöpf, zum dritten Mal am Pult des Osterkonzertes, ließ in seinem Orchester die funkelnden Instrumente nicht nur optisch sondern auch musikalisch strahlen.

Ähnlich magisch ging es weiter: Bert Appermont, ein seit Jahren hoch angesehener Komponist aus Belgien, präsentiert in seiner vierteiligen Suite „Crystal Magic“ vier Edelsteine, denen grundlegende menschliche Eigenschaften zugeschrieben werden: Karneol als Symbol der Ausdauer, Opal steht für das dem Menschen widerfahrende Unglück, Amethyst symbolisiert die Weisheit und Amazonit die Spielfreude. So klar geschliffen kamen die Klänge aus dem sechzig Aktive umfassenden Orchester, und David Schöpf verstand es auch hier, seine Stadtkapelle zu einer brillanten Leistung zu führen.

Die Stadtkapelle Illertissen meistert die Stücke bestens

Den Strahlen der Sternschnuppen und der Edelsteine folgte eine anrührende Darbietung des ältesten schweizerischen Volksliedes aus dem 17. Jahrhundert: „S’isch äbe ne Mönsch uf Ärde“, hier in einer Bearbeitung von Thomas Rüedi, erinnert an die bewegende Liebesgeschichte von „Vreneli und Hans-Joggeli uf em Guggisberg“. Hier war Gelegenheit zum ruhigen Mitfühlen, an dessen Ende die Hoffnung steht, dass ein Mensch genügen kann, um die Welt zu verändern. „Arcana“, also „Geheimnisse“ des Belgiers Kevin Houben, beginnt themengemäß „misterioso“ und leitet dann weiter zu anspruchsvollen Schwierigkeiten, denen der Mensch begegnet, um schließlich in einem triumphalen Finale zu enden, in dem die Lebenslust und Energie der Jugend siegen. Oliver Stahl, der ebenso sympathisch wie fachkundig moderierte, verband hier den Werdegang eines Menschen mit der Entwicklung eines Blasorchesters und versäumte es nicht, zum Mitmachen einzuladen. Die Spitzen-Anforderungen von „Arcana“ sowie des vorangegangenen „Crystal Magic“ wurden von der Stadtkapelle bestens gemeistert, sodass sich die Musikerinnen und Musiker damit beim Wertungsspiel am kommenden Samstag guten Gewissens hören und sehen lassen dürfen.

Nach der Pause erlebte man die immer wieder faszinierende Geschichte des „Phantoms der Oper“, wo sich wie schon im ersten Teil sämtliche Register und daraus auch eine Reihe hochqualifizierter Solistinnen und Solisten in bewundernswerter Weise präsentierten. So war es nach jedem Stück auch immer wieder schön, zu erleben, wie sich die Protagonisten freuten, beim hochverdienten Applaus einzeln oder gruppenweise vom Dirigenten zum Aufstehen aufgerufen zu werden. „Heart on Fire“ von Viet Cuong, einem der „aufregendsten Komponisten der US-amerikanischen Szene“, wie ihn Stahl betitelte, zeigte sich als „musikalische Antwort auf Hoffnung, Natur und den Mut, selbst in schwierigen Zeiten weiterzugehen“. Hier war nun das Schlagwerk in allen Variationen gefordert, denn es galt, einer absolut vertrackten Reihe von Taktwechseln Herr zu werden. Das vom Komponisten als „Hoffnung im Angesicht von Schwierigkeiten“ beschriebene Konzertwerk wurde auch hier mit Bravour gemeistert.

Dirigent David Schöpf gibt eine Überraschung für Illertissen bekannt

„Kung Fu Panda“, eine vierteilige Filmmusik von Hans Zimmer und John Powell ließ das Leben eines Pandas miterleben, der sich, musikalisch übersetzt in Emotionen, Spannungsbögen und Bläserfanfaren, zum Drachenkrieger entwickelt. Blasorchester-Power in Reinkultur gab es zum Schluss: Der „Imagine Dragons“- Top-Hit „Radioactive“ strahlte noch einmal alles aus, was ein sinfonisches Blasorchester zu bieten hat. So bot sich die Chance, zu erleben, dass diese Spielart der Blasmusik dank ihrer Klangvielfalt und angenehm zu hörenden Melodien auch dem Musikfreund gefallen kann, der sonst die eher volkstümliche Form der Blasmusik vorzieht oder das zumindest bisher tat.

Dass die Stadtkapelle aber auch dieses Genre perfekt beherrscht, zeigte sich in der Zugabe: Der „Radetzky-Marsch“ wurde mit gleichem Schwung geboten, wie man das vom Wiener Neujahrskonzert kennt, und David Schöpf machte sich den Spaß, wie seine dortigen Kollegen vom Pult aus den Applaus zu dirigieren. Als zweite Zugabe folgte nach anhaltendem Beifall „Don’t stop believing“ als Zusammenfassung der thematischen Linie des Konzertes. Abschließend kam nochmals Freude auf, als Schöpf bei seinen Dankesworten bekanntgab, dass er nun seinen Lebensmittelpunkt nach Illertissen verlegen werde, sodass seine Zusammenarbeit mit der Stadtkapelle nur mit dem Wunsch kommentiert werden kann: „Ad multos annos!“

Quellennachweis:
Text: Illertisser Zeitung online vom 06.04.2026
Foto: Wilhelm Schmid

Nach oben scrollen